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Aktuelles aus dem Christus-Treff Jerusalem
"Falafel" ist der Freundesbrief des Christus-Treff Jerusalem, der drei mal im Jahr erscheint und auf Wunsch per Email oder Post zugesandt wird. Er enthält persönliche Berichte, thematische Artikel und aktuelle Nachrichten aus unserer Arbeit. Hier gibt es jeweils aktuelle Artikel aus der "Falafel" online zu lesen. Vergangene Ausgaben gibt es ausserdem im Publikations-Archiv zum Download.
Einen ersten Überblick über unsere Arbeit bietet außerdem unser
Informations-Video weiter unten auf dieser Seite.
1.04.2008: Neueste Ausgabe der "Falafel"
Die aktuelle Ausgabe unseres Freundesbriefs "Falafel" mit Informationen und Berichten aus unserer Arbeit steht jetzt Online zum Download bereit...
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26.03.2008: 150 Jahre Johanniter-Hospiz
Mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde in der Kapelle des Johanniter-Hospizes hat der Johanniterorden am 26. März das 150-jährige Jubiläum des Johanniter-Hospizes begangen. Zu der Feier waren nicht nur zahlreiche Vertreter des Ordens angereist, darunter der Herrenmeister, S.K.H. Oskar Prinz von Preußen, sondern auch Vertreter deutschsprachiger Einrichtungen in Israel und den palästinensischen Gebieten.
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1.12.2007: Neueste Ausgabe der "Falafel"
Die aktuelle Ausgabe unseres Freundesbriefs "Falafel" mit Informationen und Berichten aus unserer Arbeit steht jetzt Online zum Download bereit...
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30.11.2007: Weihnachten in Jerusalem
Die Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Zeit. Nicht nur in Bethlehem, sondern auch in Jerusalem. In unserem kleinen Pilgerhaus versuchen wir ein wenig deutsche Weihnachtsatmosphäre zu zaubern. Das ist gar nicht so leicht...
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16.11.2007: Was heisst hier "missionieren"?
Schon die Formulierung des Titels macht es deutlich: "Missionieren" ist ein Wort, das in Jerusalem, und nicht nur hier, nicht selten empörte und verständnislose Reaktionen hervorruft. Und gleichzeitig zeigt die Formulierung: Gerade ‘hier’ in Jerusalem, im engen Nebeneinander und Miteinander der Religionen, und am Ursprungsort von Judentum und Christentum, stellt sich diese Frage in besonderer Weise. Was also hat es mit diesem Wort auf sich?
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16.8.2007: "Discover Jerusalem 2007" Online-Tagebuch
Am 15. August hat die diesjährige Studienreise "Discover Jerusalem" des Christus-Treff begonnen. Elf Teilnehmer sind seitdem unterwegs, um biblischen Geschichten, den verschiedenen Religionen und den politischen Realitäten in Israel nachzuspüren. In unserem Online-Tagebuch kann man die Reise mitverfolgen und auch Kommentare und Größe hinterlassen.
(Zum Online-Tagebuch...)
16.4.2007: EKD-Rat zu Besuch im Johanniter-Hospiz
Vom 10.-15.4. war der Rat der EKD, das höchste Leitungsorgan der evangelischen Kirchen in Deutschland, zu Besuch in Israel. Es war der erste Besuch dieser Art in der Geschichte der EKD. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des Christus-Treff im Johanniter-Hospiz.
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17.11.2006: Hebron - Wo Gottes Freund zur Ruhe kommt
Unter den Heiligen Stätten nimmt Hebron einen besonderen Platz ein. Das liegt vor allem an seinem hohen Alter: Lange bevor an Jerusalem überhaupt zu denken war, ist Hebron schon "Heilige Stätte" gewesen. Denn hier liegen, der Tradition nach, die Gräer der Patriarchen: Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea.
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Archiv der Artikel
26.03.2008: 150 Jahre Johanniter-Hospiz
Mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde in der Kapelle des Johanniter-Hospizes hat der Johanniterorden am 26. März das 150-jährige Jubiläum des Johanniter-Hospizes begangen. Zu der Feier waren nicht nur zahlreiche Vertreter des Ordens angereist, darunter der Herrenmeister, S.K.H. Oskar Prinz von Preußen, sondern auch Vertreter deutschsprachiger Einrichtungen in Israel und den palästinensischen Gebieten.
(v.r.n.l.: Hans-Jürgen Wilhelmi, Vorsitzender des Kuratoriums Johanniter-Hospiz; Botschafter Dr. Dr. h.c. Harald Kindermann und Gattin; S.K.H. Dr. Oskar Prinz von Preußen, Herrenmeister des Johanniterordens; Propst Dr. Uwe Gräbe, Pfarrer der deutschsprachigen Erlöserkirchengemeinde und örtlicher Repräsentant der EKD, sowie Ordensdekan Ruprecht Graf zu Castell-Rüdenhausen)
In seiner Festansprache gab Hans-Jürgen Wilhelmi einen kurzen Überblick über die bewegte Geschichte des Hauses in den vergangenen 150 Jahren, von den Anfängen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, über die Besuche des preußischen Kronprinzen 1869 und des deutschen Kaisers Wilhelm II. 1898, die Kriegswirren und die vorübergehende Nutzung des Hauses als Altstadtklinik und Flüchtlingsunterkunft nach dem Krieg von 1948, bis hin zum Neubeginn Anfang der 90er Jahre.
Ausdrücklich dankte Willhelmi in diesem Zusammenhang auch der Jesus-Gemeinschaft, die im Jahr 1993 als Mieter das Haus übernahm und es seither in enger Zusammenarbeit mit dem Orden betreut: „Junge Christen betreiben in alten Mauern den ‚Christus-Treff Jerusalem’ und haben das Hospiz zu einer Institution in Jerusalem und Umgebung werden lassen“, so Wilhelmi. „Sie verteidigen und verbreiten den Glauben an Jesus Christus mit Beispiel und frischer Überzeugung, evangelisch, aber mit ökumenischer Offenheit; selbständig, aber an der Seite der deutschsprachigen Gemeinde.“
Eine bewegte Geschichte
Die Geschichte des Johanniter-Hospizes ist natürlich älter als 150 Jahre: Sie reicht zurück bis in das 11. Jahrhundert, als Kaufleute aus Amalfi ein Hospiz für Pilger und Kranke auf einem Gelände unweit der Grabeskirche errichteten, dort, wo sich heute die Erlöserkirche und der „Muristan“ befinden. Dieses wurde betreut von einer Laienbruderschaft, aus der sich dann bald der Johanniterorden entwickelte. Vom ursprünglichen Hospiz sind heute allerdings nur noch wenige Grundmauern erhalten, da der Orden nach dem Fall Akkos 1291 das Land verlassen musste und sich die Arbeitsfelder daher nach Rhodos und Malta, dann auch nach Nord- und Osteuropa verlagerten. An diese geschichtlichen Anfänge erinnerte der Historiker und Journalist Dr. Jörg Bremer, Korrespondent der FAZ in Jerusalem und Mitglied des Ordens.
Die Anfänge des Hauses
Über die neuere Geschichte des Hauses seit seiner Neugründung im 19. Jahrhundert referierte der israelische Historiker Dr. Jakob Eisler: Sie beginnt mit dem in Deutschland neu erwachenden Interesse am Heiligen Land Anfang des 19. Jahrhunderts. Die wachsende Zahl der Pilger, Forscher, Missionare, Diakonissen und Auswanderer, die in dieser Zeit nach Jerusalem kamen, ließ die Idee eines deutschen Hospizes wieder neu entstehen. Zunächst jedoch geschah dies nicht in einem eigenen Haus, sondern in einem evangelischen Schul- und Krankenhaus gleich neben der „Christ Church“, das von vier Kaiserswerther Diakonissen geleitet wurde. Zwei zusätzliche Gästezimmer, die ebenfalls von den Diakonissen betreut werden sollten, bildeten hier 1851 die bescheidenen Anfänge des „preußischen Hospizes“ in Jerusalem.
S.K.H. Dr. Oskar Prinz von Preußen und Familie mit Steffi und Guido Baltes vor dem Ölbergzimmer, in dem 1869 der preußische Kronprinz logierte.
Bald jedoch wurde deutlich, dass die Diakonissen mit dieser zusätzlichen Aufgabe überfordert waren. Ein eigenes Gebäude für das Hospiz wurde in der Altstadt gesucht und 1854 bezogen. Es befand sich unmittelbar neben dem heutigen Hospiz. (Für Kenner der Lage: Es ist das Gelände gleich hinter der ehemaligen „Chicken-Box“. Der Eingang befindet sich gegenüber dem heutigen „Hebron Hostel“, ehemals „Tabasco Hostel“). Am 1. April 1858 wurde die Verantwortung für das Hospiz vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. offiziell dem Johanniter-Orden übertragen. Doch auch dieses Haus wurde bald zu klein. 1866 zog das Hospiz daher in das Haus an der 8. Station der Via Dolorosa um, wo es sich bis heute befindet. Dieses Gebäude war vorher das deutsche Pfarrhaus gewesen, durch einen Tausch wechselten nun Pfarrhaus und Hospiz den Besitzer.
Das Hospiz zwischen den Fronten
Von 1866-1939, mit kurzer Unterbrechung von 1917-1920, erfüllte das Hospiz seinen ursprünglichen Zweck als deutsches evangelisches Gästehaus. Nicht nur wandernde Handwerksburschen und Pilger, sondern auch viele prominente Forscher, Geistliche und Künstler fanden hier Unterkunft und trugen sich in das Gästebuch ein, das bis heute erhalten ist. Als jedoch 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, mussten die Hauseltern die Stadt fluchtartig verlassen, das Hospiz wurde geschlossen und bis 1946 nur von der Familie eines arabischen Wächters bewohnt. Während des israelisch-arabischen Krieges 1947-1948 wurde es dann für palästinensische Flüchtlinge aus den christlichen Einrichtungen West-Jerusalems geöffnet. Der lutherische Weltbund übernahm treuhänderisch die Verwaltung des Hauses und betrieb in den vorderen Räumen (heute Küche, Halle und Kapelle) von 1948-1963 eine medizinische Poliklinik. Bis zu 19.000 Patienten wurden hier jährlich versorgt. Auch die arabische lutherische Gemeinde nutzte zwischen 1965 und 1985 einige Räume für Gemeindeveranstaltungen.
Im Sechstagekrieg 1967 wurde die Altstadt von Israel erobert. Weil die neue Stadtverwaltung eine umfangreiche Renovierung der verfallenen Bausubstanz des Hauses zwingend forderte, musste der Orden über den Verkauf oder eine künftige Nutzung des Hauses neu entscheiden: Man entschied sich für einen Plan zur Wiederherstellung des ursprünglichen Charakters. Bereits 1980 lagen detaillierte Pläne zur Sanierung und Erweiterung des Hauses zu einer Herberge mit bis zu 40 Betten vor.
Bis dahin jedoch sollte es noch ein langer Weg sein: Zunächst musste das Haus wieder instand gesetzt werden. 1986 wurde es an die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal vermietet, die hier mit einer kleinen Schwesternkommunität einzog und auch viele Renovierungsarbeiten durchführte. 1993 folgte dann die Jesus-Gemeinschaft als Mieter, deren Arbeit und Geschichte in diesem Haus ja den Empfängern dieses Rundbriefes hinlänglich bekannt ist. Der Johanniterorden führte derweil die Renovierungsarbeiten, Aus- und Umbauten im Haus fort: So wurde 1997 die neue Kapelle eingeweiht, es folgten „Prophetenzimmer“ und Wintergarten sowie die Renovierung der Gästezimmer. Weitere Ausbauten sind für die kommenden Jahre geplant.
Die bewegte 150-jährige Geschichte des Johanniter-Hospizes, hat Dr. Eisler in einer 68-seitigen Broschüre dargestellt, die pünktlich zum Jubiläum erschienen ist und dem Herrenmeister überreicht wurde. Die Broschüre kann über den Johanniterorden bezogen werden: Jakob Eisler, Das Johanniterhospiz in Jerusalem, Berlin 2008. S.31-33
Weihnachten in Jerusalem
Die Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Zeit. Nicht nur in Bethlehem, sondern auch in Jerusalem. In unserem kleinen Pilgerhaus versuchen wir ein wenig deutsche Weihnachtsatmosphäre zu zaubern. Das ist gar nicht so leicht. Gut, Krippen aus Olivenholz gibt es im Heiligen Land wie Sand am Meer. Hier ist schließlich das “Land der Weihnacht”, das Geburtsland Jesu. Aber... wo bekommen wir einen richtig schönen Weihnachtsbaum her? In jedem Jahr, ein paar Tage vor Weihnachten, wird unser Weihnachtsbaum zusammen mit vielen anderen in der Nähe von Jerusalem geschlagen. Wir dürfen ihn dann bei unserer deutschen Auslandsgemeinde erstehen und abholen. Anschließend tragen wir ihn vorsichtig und stolz durch die arabischen Basarstrassen. Jedes Mal erregen wir dabei viel Aufsehen. “Oh, Happy Christmas!” rufen unsere arabischen Nachbarn oder “I want to have one like this!” Die kleinen dunkelgelockten Kinder machen große Augen und fragen sich, was denn die Ausländer mit diesem braungrünen Gestrüpp da wollen... Ja, unser Weihnachtsbaum ist in Wirklichkeit auch eher eine “Weihnachtszypresse”, ein etwas windschiefes, ärmliches, dünnes Bäumlein, das vom Wind auf den Höhen Jerusalems ordentlich durchgepeitscht wurde. Dennoch erhält es seinen Ehrenplatz in unserer Frühstückshalle, wo wir auch den Heiligen Abend zusammen mit Gästen aus Deutschland und anderen Ländern feiern. Wenn unsere Weihnachtszypresse erst ordentlich geschmückt ist, sieht sie eigentlich recht passabel aus, richtig “deutsch”. Unsere Gäste jedenfalls freut es, am Heiligen Abend fern von zuhause ein wenig vertraute Weihnachtsatmosphäre zu genießen. Dazu gehört natürlich auch eine schöne Krippe.
Jedes Jahr bauen wir eine Krippe mit großen Figuren aus Olivenholz in einer Fensternische unserer Halle auf. Die Krippe hat schon viel erlebt und ist viel geliebt worden, das merkt man ihr an. Die Kinder, die über all die Jahre zur Hausgemeinschaft gehörten, haben ihre Spuren hinterlassen. Tja, unserer Krippe ist eben eine Krippe mit Charakter.
Das verlorene Jesuskind
Auch, wenn ich nicht gerade ein Meister im Dekorieren bin, macht es mir Spaß, die Krippe am Abend vor dem ersten Advent aufzubauen. Da ich das Jesuskind von allen Figuren am meisten liebe, kommt es immer schon gleich zu Anfang in die Krippe.
Alles ist fertig: Maria und Josef stehen bereit. Ochs und Esel. Schafe... oh, so viele Schafe. Es scheinen immer mehr zu werden im Karton. Und dann die Hirten. Und natürlich die Weisen mit ihren Kamelen, und ein Engel. Zwei übergroße Tannenzapfen symbolisieren den Stall.
Ich kann mich beruhigt schlafen legen. Die Gäste bewundern die Krippe am nächsten Morgen beim Frühstück gebührend. Eine nette ältere Dame ist darunter, die seit vielen Jahren immer zur Weihnachtszeit bei uns wohnt. Ihr Lob tut mir besonders gut, denn sie gestaltet jedes Jahr eine wunderschöne große Krippenlandschaft in unserer deutschen Gemeinde.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück stelle ich bei einem Blick auf unsere bescheidene Krippe mit Entsetzen fest, dass das Jesuskind verschwunden ist! Es ist einfach nicht mehr da, wo es sein sollte. Vielleicht ist es heruntergefallen, überlege ich. Aber auf dem Boden ist es nicht. “Ich hätte es irgendwie an der Krippe befestigen sollen. Es ist so klein. Es kann so leicht verloren gehen!” schießt es mir durch den Kopf. Der nächste Gedanke ist ein misstrauischer: “Bestimmt hat es irgendjemand mitgenommen... ein Kind vielleicht, das mit einer Besuchergruppe da war... Wer hat das Jesuskind weggenommen???” Eine Krippe ohne Jesus ist doch keine Krippe!
Als ich am Nachmittag wieder an der Krippe vorbeigehe, ist es plötzlich wieder da. Einfach so. Als wäre nichts geschehen. Da liegt es, seelenruhig, während ich schon überlegt hatte, dass wir wohl ein neues Jesuskind besorgen müssen.
Etwas später an diesem Tag löst sich dann das Rätsel. Die nette ältere Dame - sie hatte es versteckt. “Warum hast du das getan?” frage ich sie später. Sie erklärt mir mit einem Augenzwinkern: “Der Advent, das ist doch eine Zeit der Erwartung. Wir warten auf Jesus wie die Menschen vor zweitausend Jahren. Deshalb soll das Jesuskind erst am Heiligen Abend in der Krippe liegen. Dann können wir uns richtig freuen.”
Noch immer lege ich das Jesuskind gleich zu Anfang der Adventszeit in die Krippe. Aber mir ist durch dieses Erlebnis etwas deutlich geworden: natürlich ist Jesus Christus seit dem Tag seiner Geburt für jeden von uns da, jederzeit. Er ist nicht mehr verborgen. Er kann uns auch nicht verloren gehen. Niemand kann uns Jesus wegnehmen. Niemand kann uns von Jesus trennen. Aber - wir können ihn auch nicht festhalten oder verniedlichen. Er ist der Sohn des lebendigen Gottes. Er ist stark. Er ist souverän. Er ist nicht jederzeit für uns verfügbar, nur weil wir das so wollen. Er schenkt sich uns aus freien Stücken. Und manchmal mutet er uns vielleicht auch zu, ein wenig auf ihn zu warten – auf sein Eingreifen in unserem Leben und in dieser Welt. Doch unsere Geduld lohnt sich - wenn er in seiner Herrlichkeit und Schönheit erscheint, wird unsere Freude groß sein.
(Steffi Baltes)
Was heisst hier "missionieren"?
Schon die Formulierung des Titels macht es deutlich: "Missionieren" ist ein Wort, das in Jerusalem, und nicht nur hier, nicht selten empörte und verständnislose Reaktionen hervorruft. Und gleichzeitig zeigt die Formulierung: Gerade ‘hier’ in Jerusalem, im engen Nebeneinander und Miteinander der Religionen, und am Ursprungsort von Judentum und Christentum, stellt sich diese Frage in besonderer Weise.
Was also hat es mit diesem Wort auf sich? Man verbindet damit düstere Bilder von Menschen, die anderen gewaltsam ihre Meinung überstülpen, eine Bibel über den Kopf schlagen oder ihren Glauben mit dem Schwert und dem Knüppel verbreiten. Wer ‘missioniert’, der gilt als intolerant, engstirnig, exklusiv und ewig gestrig. Wer dagegen etwas auf sich hält, der weist den Vorwurf, er würde ‘missionieren’, entrüstet von sich. Bei so viel Emotion scheint es auf jeden Fall lohnenswert, sich der Sache einmal näher zuzuwenden.
Langenscheidts Fremdwörterbuch gibt zwei Definitionen für das Wort ‘missionieren’: ‘1. heidnische Völker systematisch zu einer anderen Religion bekehren. 2. mit großem Einsatz andere zu überzeugen versuchen.’ Mit dem eigentlichen Ursprung des Wortes haben diese Definitionen dabei kaum etwas gemeinsam: ‘Missionieren’ kommt schließlich vom lateinischen ‘mittere’, und das bedeutet ‘senden’. Jemanden zu ‘missionieren’ würde also demnach bedeuten, ihn zu ‘senden’ oder zu ‘sendieren’, nicht ihn zu bekehren oder zu überzeugen.
Wer ‘missioniert’ eigentlich wen?
Aber wer sendet da eigentlich wen? Ein Blick in die Bibel zeigt schnell: Gott ist es, der sendet. Und wer wird gesendet, also ‘missioniert’? Die Menschen, die sich von ihm senden lassen. Gott ‘missioniert’ zum Beispiel Moses (Ex. 4,13), das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Er ‘missioniert’ Jesaja (Jes. 6,8), das Volk zur Umkehr zu rufen. Und er ‘missioniert’ schließlich Jesus, seinen Sohn, als er ihn in die Welt sendet. Jesus wiederum ‘missioniert’ seine Jünger und sendet sie zuerst zum Volk Israel, dann auch zu allen anderen Völkern. Gott allein ist also in der Bibel derjenige, der ‘missioniert’, und wir sind diejenigen, die ‘missioniert’ werden. Wir ‘missionieren’ also in der Tat nicht, sondern wir werden ‘missioniert’ – beauftragt von Gott. Mission ist also weder der verzweifelte Versuch, Mitglieder für die eigene Religion zu werben, noch der überhebliche Versuch, anderen zu zeigen, dass wir immer Recht haben oder bessere Menschen wären. Mission ist immer Gottes Mission, in seiner Welt, durch seine Leute.
Unser Beitrag, Gottes Beitrag
Der Begriff ‘missionieren’, wie er heute oft gebraucht wird und wie Langenscheidt ihn definiert, ist also eigentlich gar nicht biblisch. Er kommt auch so in der Bibel nicht vor. ‘Mission’ ist in der Bibel Gottes Sendung, Gottes Aktivität. Was uns Menschen angeht, spricht die Bibel daher nicht vom ‘missionieren’, sondern vom ‘verkündigen’, vom ‘bezeugen’ und vom ‘evangelisieren’, also von der Verbreitung des Evangeliums. Das ist unsere Sache. Ob und wie Menschen dann auf diese Botschaft reagieren und antworten, das ist Gottes Sache und liegt letztlich nicht in unserer Hand.
Zwang oder Gewalt sind dabei weder gewollt noch überhaupt im Blick. Die ‘Mission’ Gottes ist in der Bibel immer eine werbende, dienende, und leidende. Sie zwingt nicht, sondern lässt Menschen Raum für ihre eigene Entscheidung. Sein Werben ist dringlich, aber nicht aufdringlich: Nirgends lesen wir davon, dass ein Mensch einen anderen ‘bekehrt’ oder ‘missioniert’. Beides ist allein Gottes Sache. Unsere Sache ist es, zu verkündigen, zu bezeugen und zu evangelisieren.
Umdenken in den Kirchen
Die großen Kirchen und Missionsgesellschaften der Welt haben auf ihren Konferenzen schon seit den 50er Jahren den Begriff der ‘Mission Gottes’ in den Vordergrund gestellt, um deutlich zu machen: Hier geht es um mehr als um Mitgliedergewinnung für den eigenen Club. Hier geht es um Gottes großen Plan für diese Welt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage natürlich ganz neu, was Menschen heute eigentlich meinen, wenn sie ein Ende der ‘Mission’ fordern oder ‘Mission’ ablehnen.
In Jerusalem stellt sich zudem die besondere Frage nach der ‘Mission’ im jüdischen Volk. Diese wird oft noch vehementer abgelehnt, weil man, wie Langenscheidt, davon ausgeht, dass ‘Mission’ immer einen Wechsel der Religion beinhaltet. Zwei der 23 deutschen Landeskirchen haben sogar in Synodenerklärungen die ‘Mission’ im jüdischen Volk grundsätzlich abgelehnt, auch wenn sie den Begriff dann lediglich durch den des ‘Zeugnisses’ ersetzt haben, was sachlich kein Unterschied ist. Denn Gottes Mission geschieht immer nur durch Zeugnis. Aber was bedeutet eigentlich eine solche Abkehr von dem Begriff der ‘Mission’, vor dem Hintergrund des ‘neuen’ bzw. alten biblischen, und inzwischen auch von allen Kirchen getragenen, Verständnisses von ‘Mission’ als ‘Mission Gottes’?
Soll da Gott, per Kirchenbeschluss, aufgefordert werden, seine Mission in der Welt zu beenden? Oder wollen Kirchen ihre Mitarbeit an Gottes Mission aufkündigen? Soll speziell das jüdische Volk von der ‘Mission Gottes’ ausgeschlossen werden, obwohl Gott seine Mission doch immer in, mit und durch das jüdische Volk begonnen hat? Will man behaupten, Gott habe sein Volk irgendwann aus seiner Mission ausgeschlossen oder sich von ihm abgewendet? Hier sind offensichtlich noch viele Fragen offen, über die weiter nachgedacht werden muss.
Mission und Religionsfreiheit
Der Begriff ‘missionieren’, so wie er von Langenscheidts Wörterbuch definiert wird, ist aber nicht nur unbiblisch, er ist auch zutiefst anachronistisch: Er passt eigentlich nicht mehr in unsere Zeit. Denn er suggeriert, dass Menschen ihre Glaubensentscheidungen nicht selbständig treffen, sondern von anderen ‘missioniert’ oder ‘bekehrt’ werden können oder gar müssen. Er geht davon aus, dass Glaube von außen manipuliert oder bestimmt werden kann. Aber wie soll das eigentlich aussehen? Wie soll das zugehen, dass ich einen anderen Menschen ‘bekehre’, der das gar nicht will?
Eine solche Vorstellung passt vielleicht in die Zeit des römischen Reiches, in dem Christen und Juden mit Gewalt dazu gebracht wurden, ihrem Glauben abzuschwören. Sie passt auch in die Zeit der Makkabäer, als in Galiläa Heiden gewaltsam zum Übertritt zum Judentum gezwungen wurden. Sie passt in die Zeit der Inquisition, in der Juden zwischen Tod, Exil und Christentum wählen mussten. Sie passt auch in die totalitären Regimes des vergangenen Jahrhunderts. Und sie passt noch heute in diejenigen Teile der Welt, in denen Religionsfreiheit immer noch unbekannt ist, wie es vor allem in kommunistischen und islamischen Ländern der Fall ist.
In einer freiheitlichen Welt aber ist diese Vorstellung von einer ‘Missionierung wider Willen’ eigentlich absurd, ebenso absurd wie die verbreitete Angst davor. Wir leben heute in einer Welt, in der Menschen sich selbst eine Meinung bilden können, in der Religion weithin nicht mehr durch das Elternhaus oder das soziale Umfeld bestimmt ist und auch nicht von der Gesellschaft vorgeschrieben wird. In einer solchen Gesellschaft nicht zu ‘missionieren’, ist eigentlich gar nicht möglich.
Wie man ‘Mission’ verhindern kann
In einer Welt der Informations- und Meinungsfreiheit kann man den Austausch von Überzeugungen nur auf eine von drei möglichen Weisen verhindern: Man kann sich selbst oder anderen verbieten, über Glaubensfragen offen zu sprechen. Einige islamische und kommunistische Länder gehen diesen Weg, aber auch die Forderung mancher Kirchenvertreter nach einem selbst auferlegten ‘Missionsverbot’ gehört hierher. Man kann zweitens Menschen sozial oder finanziell unter Druck setzen, wenn sie ihre Glaubensüberzeugungen zu verändern drohen. Der ägyptische Religionsminister äußerte etwa unlängst im Rahmen einer christlich-islamischen Begegnung, dass es zwar in der Religion keinen Zwang geben dürfe, aber wer seine Religion wechsele, müsse dafür ‘selbstverständlich’ bestraft werden. Der dritte Weg schließlich besteht darin, Menschen, die ihren Glauben wechseln wollen, den Weg in die eigene Gemeinschaft zu verwehren oder ihnen die Anerkennung vorzuenthalten. Ich erinnere mich an den Bericht eines jungen muslimischen Palästinensers, der durch das Lesen der Bibel zum christlichen Glauben fand. Als er an die Tür einer Kirche klopfte, wurde er dort abgewiesen. Man habe eine Übereinkunft mit der Regierung, keine Konvertiten aufzunehmen, um die öffentliche Ordnung nicht zu gefährden, hieß es. Auch die Schwierigkeiten unserer Kirchen mit der wachsenden messianisch-jüdischen Bewegung gehören hierher.
In den Köpfen vieler Menschen gilt ‘missionieren’ als altertümlich und engstirnig. Die Ablehnung von Mission dagegen gilt als Ausdruck von Toleranz und Freiheitlichkeit. Im Licht des bisher gesagten kehrt sich dieses Bild jedoch auf den Kopf: Denn tatsächlich geht es hier um den Gegensatz von Freiheit und Zwang, von Vormoderne und Postmoderne. Aber die Rollen sind anders verteilt, als es der erste Anschein vermuten lässt:
Freiheit oder Zwang?
In einer Welt der Freiheit dürfen Menschen selbst bestimmen, was sie glauben und was sie nicht glauben. In einer Welt des Zwanges hingegen sind Menschen auf den Glauben festgelegt, in den sie hineingeboren wurden oder den ihre Kultur vorschreibt. In einer Welt der Freiheit dürfen Menschen unterschiedlichen Glaubens offen miteinander sprechen, und dabei auch ihre eigene Position verändern. In einer Welt des Zwanges sind solche Gespräche nur unter der strengen Vorbedingung möglich, dass niemand den anderen zu überzeugen versucht. In einer Welt der Freiheit dürfen Menschen ihren Glauben verändern oder wechseln, wenn sie das wollen. In einer Welt des Zwanges wird dies bestraft oder mit anderen Mitteln verhindert. In einer Welt der Freiheit können Menschen verschiedener Meinung sein. In einer Welt des Zwanges muss man befürchten, dem anderen etwas ‘aufzuzwingen’, wenn man anderer Meinung ist als er. In einer Welt der Freiheit darf über Glaubensfragen offen und in der Öffentlichkeit gesprochen werden. In einer Welt des Zwanges muss die öffentliche Meinungsäußerung durch Gesetze oder durch Selbstzensur eingeschränkt werden. In einer Welt der Freiheit fragt man: ‘Möchte Gott unser missionarisches Wirken?’ In einer Welt des Zwanges fragt man: ‘Bedarf Gott unseres missionarischen Wirkens?’ In einer Welt der Freiheit bedeutet Toleranz, den anderen zu akzeptieren, auch wenn man seine Überzeugung für falsch hält. In einer Welt des Zwanges jedoch bedeutet Toleranz, auch widersprüchliche Überzeugungen für wahr zu halten – man kann also nur tolerieren, was man auch selbst für wahr hält.
Es steht außer Frage, dass wir in der Gegenwart, gerade hier in Jerusalem, noch nicht in einer Welt der Freiheit leben. Es wäre schön, wenn es so wäre. Aber Reste der alten Welt des Zwanges gehören heute noch überall zur Realität. Daran sind wir selbst nicht unschuldig: Wir leiden bis heute unter den Folgen einer Welt des Zwangs, an der wir auch als Christen selbst mitgebaut haben. Verletzungen und Ängste aus der Vergangenheit sind bis heute mit dem Begriff der ‘Mission’ verbunden, und diese müssen wir respektieren. Weisheit ist nötig, zur richtigen Zeit die gebotene Freiheit und zur richtigen Zeit die nötige Zurückhaltung zu üben.
Gottes Mission: Die Freiheit der Welt
Unser Ziel als Christen muss es jedoch sein, auf eine Welt der Freiheit hinzuarbeiten und die alten Paradigmen des Zwangs nach und nach zu überwinden. Ziel der Mission Gottes ist es, dass alle Menschen zu ihm kommen, ohne Zwang und in aller Freiheit. Wir selbst müssen sicher an vielen Stellen unsere eigene Art zu ‘missionieren’ hinterfragen und nach dem Vorbild der Bibel verändern. Die entscheidende Frage an uns lautet aber: Lassen wir uns ‘missionieren’ von Gott? Lassen wir uns beauftragen und senden, an seiner Vision und Mission in dieser Welt mitzuarbeiten?
(Auszug aus einem Vortrag von Guido Baltes im Christus-Treff Jerusalem am 15.11.2007)
EKD-Rat zu Besuch im Johanniter-Hospiz
Vom 10.-15.4. war der Rat der EKD, das höchste Leitungsorgan der evangelischen Kirchen in Deutschland, zu Besuch in Israel. Es war der erste Besuch dieser Art in der Geschichte der EKD.
Im Rahmen ihrer Reise besuchte eine Delegation des Rates, darunter Landesbischöfin Margot Kößmann (Ev. Kirche von Hannover), Fernsehjournalist Peter Hahne (ZDF) und MdB Herrmann Grühe (CDU), auch das Johanniter-Hospiz, um sich dort über die Arbeit des Christus-Treff zu informieren. Außerdem diente der Besuch der Wahrnehmung evangelikaler Gemeinden und Werke in Israel und Palästina. Der Generalsekretär der evangelischen Allianz in Israel, Harm Tees, informierte die Ratsmitglieder über die vielfältigen Arbeitsfelder der israelischen und palästensischen Gemeinden und Werke, die der evangelischen Allianz zugehören.
Auf dem Besuchsprogramm des Rates standen außerdem Begegnungen mit ökumenischen Partnern, Vertretern aus Politik und Gesellschaft, ein Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem, eine Begegnung mit dem israelischen Oberrabbiner Yona Matzger sowie Besuche bei evangelischen Christen in den palästinensischen Autonomiegebieten. Bei diesen Besuchen habe man, so der Rat in einer abschließenden Presseerklärung, "ein Wechselbad von Bedrückung und Hoffnung erlebt".
Anlass der Reise war die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages mit der palästinensischen lutherischen Kirche ELCJHL. Der Ratsvoritzende Bischof Huber, erklärte in seiner Festpredigt anlässlich der Unterzeichnung: Wir bekräftigen feierlich die Gemeinschaft zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Wir gedenken miteinander der Geschichte, die sich mit der Auguste-Victoria-Stiftung und der Himmelfahrtskirche verbindet. Auf der Grundlage dieser Geschichte kann die Gemeinschaft wachsen zwischen unseren Kirchen wie zwischen den Gemeinden am Ort, zwischen den deutschen Institutionen in Jerusalem und im Heiligen Land, die uns anvertraut sind, und den Christen, die ihrem Leben hier Gestalt geben und die wir in die Zukunft begleiten wollen."
Der palästinensiche Bischof Munib Younan betonte in seiner Predigt seine Dankbarkeit für die deutsche Missionsarbeit in der Vergangenheit, rief jedoch dazu auf, diese Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich nunmehr der Zukunft zuzuwenden. Die zukünftige Aufgabe der EKD sah er vor allem in der Unterstützung der palästinensischen Christen in ihrem Streben nach einem "gerechten Frieden".
Allerdings, so die Abschlusserklärung der EKD kritisch, "müssten demütigende Verhaltensweisen beider Seiten abgestellt werden: das Ausspielen der militärischen überlegenheit Israels ebenso wie die Selbstmordattentate der Palästinenser."
Diese gegenseitige Bedingtheit des Konfliktes werde "von den Vertretern der ELCJHL nicht immer in dieser Deutlichkeit formuliert, wenn ihre Vertreter auf die katastrophale humanitäre Situation ihres Volkes hinweisen und die Solidarität der ökumenischen Partner einfordern."
Hebron - wo Gottes Freund seine letzte Ruhe findet
(Auszug aus einem Vortrag im Christus-Treff Jerusalem am 16.11.2006)
Unter den Heiligen Stätten nimmt Hebron einen besonderen Platz ein. Das liegt vor allem an seinem hohen Alter: Lange bevor an Jerusalem überhaupt zu denken war, ist Hebron schon "Heilige Stätte" gewesen. Denn hier liegen, der Tradition nach, die Gräber der Patriarchen: Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea. Nur das Grab von Rahel fehlt - sie starb früh und wurde am Rande von Bethlehem begraben (1.Mose 35,19-20). In gewisser Weise liegt in Hebron sogar der Ursprung der Geschichte des Volkes Israel im Land Israel. Denn hier erwarb Abraham das erste Fleckchen Land für sich und seine Nachkommen (1.Mose 23) und wurde später selbst hier begraben (1.Mose 25,10).
Bis heute trägt die Stadt daher den Namen, der an Abraham, den "Freund Gottes" erinnert. Das hebräische "Chevron" trägt das Wort "Freund" in sich, ebenso wie das arabische "Il-Chalil", das nicht nur Ehrentitel für die Stadt, sondern auch für Abraham ist. Dass dieser Titel schon eine lange Tradition hat, zeigt ein Zitat aus dem neutestamentlichen Jakobusbrief: "Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden, und er wurde ein Freund Gottes genannt" (Jak. 2,23). Und auch im Buch Jesaja wird Abraham bereits als "Geliebter Gottes" bezeichnet (Jes. 41,8).
Abraham ahnte damals, als er das Land erwarb, sicher nicht, dass dies der Anfang eines Konfliktes um das Land sein würde, der noch Jahrtausende andauern sollte. Bis heute ist Hebron einer der schwierigsten Brennpunkte im aktuellen politischen Konflikt. Auf dichtestem Raum leben hier die mehrheitlich palästinensische Bevölkerung der Stadt und eine kleine Zahl jüdiäscher Einwohner zusammen. Das Monument über den Gräbern der Patriarchen ist in eine Moschee und eine Synagoge geteilt, denn beide Religionen verehren Abraham und seine Familie als Stammvater.
Schmerzhafte Erinnerungen an die Vergangenheit sorgen für gegenseitige Furcht und Hass: Auf jüdischer Seite erinnert man sich an die arabischen Pogrome gegen die Hebroner Juden im Jahr 1929, bei denen 67 Juden ums Leben kamen und die gesamte jüdische Bevölkerung aus der Stadt vertrieben wurde. Für die arabische Seite ist die Erinnerung an das Attentat des jüdischen Arztes Baruch Goldstein im Jahr 1994 lebendig, der am Purimfest in der Abrahamsmoschee 29 Moslems ermordete. So verzwickt ist die Situation in Hebron daher heute, dass im Rahmen der israelisch-palästinensichen Friedensverhandlungen die allgemeinen Verträge nicht ausreichten. Für Hebron mußte im Jahr 1997 ein eigener Teilungsplan entworfen werden, der bis heute von einer "vorübergehenden" internationalen Friedenstruppe implementiert wird.
Ruhestätte oder Konfliktherd?
So birgt der Ort Hebron heute eine tragische Ironie in sich: Abraham erwarb hier ein kleines Stück Land für sich und seine Familie und hoffte, nach einem bewegten und rastlosen Leben als Ausländer in einem fremden Land, hier endlich eine Ruhestätte gefunden zu haben. Aber genau an dieser Stelle liegt nun bis heute einer der größten Unruheherde der Welt.
Vor diesem Hintergrund erscheint der Bericht vom Landkauf in 1. Mose 23 fast paradiesisch: Nicht von gegenseitigem Hass und Feindschaft der Völker ist hier die Rede, sondern von Gastfreundschaft und gegenseitigem Respekt. Statt hitziger Auseinandersetzung sehen wir eine Geschichte von großer Gelassenheit, Großmut, Demut und Gottvertrauen:
Nach dem Tod seiner Frau Sarah bittet Abraham in großer Demut und voller Respekt die Einwohner des Landes: "Ich bin ein Fremdling und Beisasse bei euch; gebt mir ein Erbbegräbnis bei euch, daß ich meine Tote hinaustrage und begrabe". Und ebenso respektvoll antworten diese: "Höre uns, lieber Herr! Du bist ein Fürst Gottes unter uns. Begrabe deine Tote in einem unserer vornehmsten Gräber; kein Mensch unter uns wird dir wehren." Nachdem Abraham sich ein Stück Land ausgewählt hatte, bietet er dem Besitzer Efron, einem Hetiter, einen Kaufpreis an. Dieser aber schlägt aus: "Nein, mein Herr, sondern höre mir zu! Ich schenke dir den Acker und die Höhle darin und übergebe dirs vor den Augen der Söhne meines Volks, um deine Tote dort zu begraben.". Abraham bezahlt dann zwar schließlich doch, antwortet aber zunächst mit einer ausdrucksstarken Geste:
"Da verneigte sich Abraham vor dem Volk des Landes."
(1.Mose 23,12)
Was für eine Geste! Sie zeugt von innerer Größe und Gelassenheit. Denn Abraham hatte sicher nicht vergessen, was Gott ihm viele Jahre vorher, genau an dieser Stelle, versprochen hatte: "Hebe deine Augen auf und sieh von der Stätte aus, wo du wohnst, nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben für alle Zeit und will deine Nachkommen machen wie den Staub auf Erden. Kann ein Mensch den Staub auf Erden zählen, der wird auch deine Nachkommen zählen. Darum mach dich auf und durchzieh das Land in die Länge und Breite, denn dir will ichs geben." (1.Mose 13,14-17)
Abraham hätte auch mit Forderungen statt mit Bitten auftreten können: "Gebt mir dieses Land, denn Gott hat es mir versprochen!" Stattdessen bittet er bescheiden und zahlt sogar einen angemessenen Kaufpreis. Und auch die Hetiter hätten ihm ja seine Bitte ohne weiteres verwehren können: "Du gehörst hier nicht hin! Du bist keiner von uns! Du kannst hier kein Land kaufen!" Aber stattdessen bieten sie ihm das Land sogar freiwillig als Geschenk an - vielleicht gerade deshalb, weil er nicht forderte sondern fragte.
Paradiesische Zustände?
Wie gesagt - fast paradiesisch mutet diese Begegnung zwischen Abraham und den Einwohnern des Landes an. In der jüdischen Tradition finden wir sogar einen Hinweis, warum diese Begegnung so paradiesisch verlief. Demnach hatte Abraham einen geheimen Grund, gerade diese Höhle als seine Ruhestätte zu wählen:
"Jeden Tag ging Abraham aufs Feld, um zu beten. Eines Tages sah er ein Licht, das aus einer Höhle hervorstrahlte. Der Heilige, Gepriesen sei er, sprach zu ihm. Da ging er hinein und sah, dass Adam und Eva hier verborgen lagen. Woher wusste er, dass sie es waren? Weil er sah, dass im Inneren dieser Höhle der Eingang zum Garten Eden lag. Als er hineinkam, roch er den Duft des Gartens. Er sah von dort ein helles Licht erstrahlen, und er hörte die Stimme der Engel, die riefen: "Adam liegt hier begraben, und Abraham, Isaak und Jakob sind würdig, auch hier begraben zu werden." Von diesem Zeitpunkt an galt all sein Verlangen dieser Höhle. Er wünschte sich, hier seine eigene ewige Ruhestätte zu finden."
Abraham hatte an dieser Stelle einen Vorgeschmack des Paradieses erlebt, und diesen wünschte er sich zu bewahren, auch über seinen Tod hinaus. Vielleicht war es dieser Vorgeschmack, der ihn so gelassen und zuversichtlich machte. Selbstverständlich war das nicht. Immerhin hatte er von Gottes Verheißung bis zu seinem Tod in der Realität noch nichts gesehen: "Das ganze Land...? Dir und deinen Nachkommen...?" Nichts davon war bisher Wirklichkeit.
Gelassenheit und Gottvertrauen
Woher nahm Abraham die Gelassenheit, sich trotzdem bescheiden auf ein Fleckchen Land zu beschränken und alles andere Gott zu überlassen? Er hatte es gelernt in einem langen, bewegten Leben mit Gott. Er hatte gelernt, daß Gottes Zeitpläne manchmal länger dauern als unsere innere Ungeduld: Erst in hohem Alter, in dem andere für gewöhnlich ihr Leben beenden, fing Gottes Geschichte mit ihm an. Und noch länger dauerte es, bis der verheißene Sohn kam. Ungeduldig hatte Abraham versucht, der Verheißung mit menschlichen Mitteln nachzuhelfen, aber das ging schief und führte nur zu Streit und Konflikten. Gott aber blieb am Ende bei seinem eigenen Zeitplan.
Abraham hatte auch gelernt, die Verheißung Gottes als Geschenk anzunehmen und nicht durch eigene Kraft oder Klugheit zu erwzingen. Und er hatte gelernt, loszulassen. Selbst da, wo es um die Verheißung ging: Als Gott ihn aufforderte, Isaak zu opfern, hätte Abraham sich an ihn klammern können. Schließlich war er ihm doch von Gott verheißen worden. Aber er war bereit, sogar die Verheißung auf Gottes Altar zu legen und ihre Erfüllung ganz Gott zu überlassen.
So lernte Abraham geduldig zu sein, sich beschenken zu lassen, und loszulassen. Vielleicht ist er deshalb am Ende seines Lebens dem Paradies so nah und findet in großer Gelassenheit, aber auch in großem Vertrauen auf Gottes Verheißung, seine letzte Ruhe in Hebron.
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